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26. Tag des 7. Monats, Bunmei 18 (25. August 1486)
Residenz Kasuya, Provinz Sagami (heutiges Isehara, Präfektur Kanagawa)
Kräfte
Uesugi Sadamasa (Anstifter)
Ota Dokan
Etwa 13 Min. Lesedauer
Die Ermordung Ōta Dōkans (Ōta Dōkan ansatsu) ist ein Ereignis, bei dem Ōta Dōkan, ein führender Vasall des Ōgigayatsu-Uesugi-Klans, am 25. August 1486 (26. Tag des 7. Monats, Bunmei 18) in der Kasuya-Residenz in der Provinz Sagami (heute Isehara in der Präfektur Kanagawa) auf Befehl seines Herrn Uesugi Sadamasa heimtückisch getötet wurde. Dōkan verfügte als Feldherr, Literat und Burgbauer über außergewöhnliche Talente und ist als Erbauer der Edo-Burg berühmt. Seine Ermordung ist ein Sinnbild für die politischen Wirren im Kantō der späten Muromachi-Zeit und hat auch in der Geschichte der Schwerter besondere Bedeutung.
Ōta Dōkan (1432–1486) wurde als Sohn von Ōta Sukekiyo geboren, einem führenden Vasallen des Ōgigayatsu-Uesugi-Klans. Schon in jungen Jahren erlernte er die Kriegskünste und die Gelehrsamkeit. Besonders seine Bildung in Waka- und Renga-Dichtung soll sich mit der der führenden Kulturschaffenden seiner Zeit messen können. Was Dōkan unsterblich machte, war der Bau der Edo-Burg von 1456 bis 1457. Am Ostrand des Edo-Tafellands in der Provinz Musashi errichtete er eine feste Hügelburg (hirayamajiro) und baute sie zum militärischen Stützpunkt der Uesugi im Kantō aus. Damit legte Dōkan mehr als ein Jahrhundert zuvor den Grundstein dafür, dass das Tokugawa-Shogunat die Edo-Burg später als Stammsitz nutzte. Neben der Edo-Burg war Dōkan zusammen mit seinem Vater Dōshin am Bau der Kawagoe-Burg beteiligt. Er war tief in den Ausbau von Festungen in verschiedenen Teilen des Kantō eingebunden und schuf so ein eigenes Festungsnetzwerk. Dōkans Kriegsstrategie war herausragend. In der Bunmei-Zeit (1469–1487), als im Kantō häufig Kriege ausbrachen, führte er die Streitkräfte des Ōgigayatsu- und des Yamanouchi-Uesugi-Klans. Er kämpfte gegen Koga-kubō, Nagao Kageharu und andere und baute dabei eine Bilanz ununterbrochener Siege auf. Dadurch, dass Dōkan eigene Heeresreformen, Informationsbeschaffung und ein Festungsnetzwerk aufbaute, wurde die Herrschaft der Uesugi im Kantō stabilisiert. Als Hausverwalter (karei) des Ōgigayatsu-Uesugi-Klans übernahm Dōkan die militärischen und politischen Aufgaben des Hauses.
Im Jahr 1486 lud Uesugi Sadamasa Dōkan in die Kasuya-Residenz ein. Nachdem Dōkan das Bad verlassen hatte, ließ Sadamasa ihn vom Gefolgsmann Soga Hyōgo überfallen und ermorden. Die unmittelbaren Gründe für die Ermordung sind je nach Quelle umstritten. Am weitesten verbreitet ist jedoch die Auffassung, dass Dōkans Macht die seines Herrn übertraf und es von seiten der Vertrauten zu Verleumdungen gekommen sei. Man nimmt an, dass das Gefühl der Bedrohung, Dōkan sei so überaus fähig und sein Ruhm könne Uesugi Sadamasa übertreffen, Sadamasa zu der Entscheidung zur Ermordung veranlasste. Einer Legende über die Szene der Ermordung zufolge soll Dōkan, während er verwundet war, die Worte „Tōhō metsubō“ hinterlassen haben. „Tōhō metsubō“ wurde in späterer Zeit als prophetisches Wort gedeutet, das besagt: „Diese Angelegenheit wird den Untergang unserer Seite (des Hauses Uesugi) herbeiführen.“ Tatsächlich verschärfte sich nach Dōkans Tod der Streit zwischen den beiden Uesugi-Klanen Yamanouchi und Ōgigayatsu, und die Politik des Kantō verfiel immer tiefer ins Chaos. Auch der Aufstieg des Späteren Hōjō-Klans (Hōjō Sōun) war das Ergebnis des Selbstzerfalls der Uesugi, die ihren Vermittler Dōkan verloren hatten.
Die Ermordung Ōta Dōkans ist auch in der Geschichte der Schwerter ein bemerkenswertes Ereignis. Über die Schwerter, die Dōkan bevorzugt benutzte, sind nur wenige verlässliche Quellen erhalten. Die Sōshū-Tradition der Kamakura- und Muromachi-Zeit war eine Technik, die von den namhaften Schmieden Masamune, Sadamune, Hiromitsu und Akihiro hervorgebracht wurde. Ihre Klingen sind als Meisterwerke bekannt, die Kampftauglichkeit mit künstlerischem Wert verbinden. Zur Zeit der Bunmei-Epoche (2. Hälfte des 15. Jahrhunderts), in der Dōkan wirkte, hatte die Technik der Sōshū-Tradition bereits gewisse Wandlungen durchlaufen. Die Schmiede in der Umgebung von Kamakura waren jedoch weiterhin tätig.
Dōkan, der die Edo-Burg erbaut hatte, wurde in der späteren Geschichte als eine Art Schutzgottheit des Kantō betrachtet.
Sieben Jahre nach Dōkans Ermordung, im Jahr Meiō 2 (1493), drang Hōjō Sōun (Ise Moritoki) in die Provinz Izu ein und eröffnete damit den Aufstieg des Späteren Hōjō-Klans. Die Edo-Burg und die Kawagoe-Burg, die Dōkan erbaut hatte, gingen später in die Hände des Späteren Hōjō-Klans über und wurden zu Stützpunkten von dessen Herrschaft im Kantō. Durch den Tod Dōkans verloren die Yamanouchi- und die Ōgigayatsu-Uesugi-Klane einen mächtigen Vermittler. Es brach der als Chōkyō-Wirren (1487–1505) bekannte innere Streit zwischen den beiden Uesugi-Klanen aus. Hōjō Sōun nutzte diese Lücke im Streit, um in Süd-Kantō vorzudringen, und so öffnete sich der Weg für die Herrschaft des Späteren Hōjō-Klans im Kantō. Die Ermordung Ōta Dōkans ist historisch als Ereignis einzuordnen, das wie der Flügelschlag eines Schmetterlings den Beginn der Sengoku-Zeit im Kantō auslöste. Sein Tod war nicht nur die Tragödie eines einzelnen großen Feldherrn, sondern wurde zum Auslöser dafür, dass sich die politische Landkarte des gesamten Kantō veränderte.
Ōta Dōkan wurde später als Gründer von Edo (Tokio) verehrt. Die Waka, die Dōkan gedichtet haben soll, „Waga io wa / matsubara tsuzuki / umi chikaku / Fuji no takane o / nokiba ni zo miru“, sind weithin bekannt. Sie vermitteln bis heute das Bild Dōkans als Krieger, der zugleich poetisches Talent besaß. (Übersetzung: Mein Haus liegt, / die Kiefernreihe entlang, / nahe dem Meer. / Vom Dachfirst aus / sehe ich den erhabenen Gipfel des Fuji.) Noch heute finden sich im Bezirk Chiyoda in Tokio, in Isehara und an anderen Orten Gedenkstätten und Steindenkmäler, die mit Dōkan verbunden sind. Er wird als „Vater der Edo-Burg“ in Erinnerung behalten.
Die Burganlage der Edo-Burg, wie Ōta Dōkan sie ausbaute, beruhte auf den damals modernsten Techniken des Bauwesens und der Kriegskunst. Die Edo-Burg lag an der Spitze des Musashino-Plateaus und war eine feste Burg, die den geografischen Vorteil ihrer Lage mit Blick auf die Edo-Bucht optimal nutzte. Im Inneren der Burg ließ Dōkan einen Bogenschießplatz anlegen, auf dem seine Krieger täglich im Bogenschießen geübt haben sollen. Nach Dōkans Ermordung diente die Edo-Burg weiterhin als Stützpunkt der Uesugi. Durch die Chōkyō-Wirren und den Aufstieg des Späteren Hōjō-Klans wechselte die Herrschaft jedoch in rascher Folge. Schließlich ließ Tokugawa Ieyasu in der Keichō-Zeit (1596–1615) eine großangelegte Umgestaltung vornehmen. Er errichtete die gewaltige Burganlage, die das Urbild des heutigen Kaiserpalastes bildet. Der Ort Edo, den Dōkan ausgewählt hatte, wurde im Ergebnis zum Zentrum von Japans größter Stadt, Edo (Tokio). Dōkans Weitsicht ist seit über 400 Jahren in der Geschichte verankert. Dōkans Name leuchtet noch heute in der japanischen Geschichte, sowohl als Symbol des Kantō-Bushidō als auch als Persönlichkeit, die den Grundstein für Edo (Tokio) legte.