Jōkotō (Kofun–Nara Period)
上古刀(古墳〜奈良時代)
Die Ära der geraden Schwerter, die dem japanischen Schwert voranging. Die kontinentale Eisenbearbeitungstechnologie wurzelte in dem japanischen Archipel, produzierte gerade Klingen und ringgriffige Schwerter, die in kofun begraben wurden. Die in Shōsōin bewahrten Schätze stellen den Höhepunkt dieses prägenden Alters dar.
Beschreibung
Die Ankunft kontinentaler Eisenverarbeitungstechnik
Während der Yayoi-Zeit (etwa 3. Jahrhundert v.Chr. bis 3. Jahrhundert n.Chr.) kam die Technologie der Eisenherstellung von der Koreanischen Halbinsel und dem chinesischen Festland auf den Japanischen Archipel. Die frühesten Eisengeräte waren hauptsächlich Landwirtschafts- und Handwerkswerkzeuge; Schwerter sind vermutlich etwas später eingeführt worden. Mit dem Beginn der Kofun-Zeit (3.–7. Jahrhundert) traten zahlreiche gerade Schwerter und Kurzklingen als Grabbeigaben in den großen Erdgräbern regionaler Häuptlinge auf, was darauf hindeutet, dass die Schwertschmiedetechnik auf dem gesamten Archipel erworben wurde.
Die Schwerter dieser Zeit werden allgemein als jōkotō (alte Schwerter) bezeichnet – eine traditionelle Bezeichnung zur Unterscheidung vom späteren Japanischen Schwert (dem gebogenen tachi). Als geradschneidig geformte Waffen zeigen sie eine klare Kontinuität zu kontinentalen Schwerttypen. Die Grundform ist ein Geradeschwert ohne Krümmung, wobei Klinge und Rücken parallel verlaufen. Schwerter werden nach ihrem Griffknauf-Typ klassifiziert: Ringschwerte (kantō-tachi), Rautenschwerte (keitō-tachi) und Einzel-Phönix-Ringschwerte.
Merkmale und Technologie der Kofun-Zeit-Schwerter
Die aus Kofun ausgegrabenen Schwerter umfassen sowohl zeremonielles und Grabzubehör als auch funktionsfähige Waffen. Die Fertigungstechnik verbesserte sich mit der Zeit, und metallurgische Analysen haben bestätigt, dass die Härtungstechnik um das 5.–6. Jahrhundert eingeführt wurde.
Ein repräsentatives Beispiel ist das goldeingelegte Eisenschwert aus dem Inariyama-Kofun in Gyōda, Saitama. Eine 115-Zeichen-Goldinschrift ist auf beiden Seiten eingraviert, und die Inschrift, die „das Jahr Xin-Hai (471 n.Chr.)" aufzeichnet, ist ein wichtiges historisches Dokument, das die politischen Machtstrukturen der Zeit anzeigt. Sorgfältig gefertigte Eisenschwerter wurden auch aus den Gräbern regionaler Häuptlinge an verschiedenen Orten wie dem Higashida-Ōtsuka-Kofun in Sakurai, Nara-Präfektur, geborgen, und es wird vermutet, dass versierte Schwertschmiede von der Koreanischen Halbinsel, die im 5. Jahrhundert zum Archipel kamen, die lokale Schmiedetechnik stark voranbrachten.
Das Shichishito – ein Schwert mit sechs Ästen, das am Isonokami-Schrein in Nara bewahrt wird – soll der Yamato-König einer Legende nach im 4. Jahrhundert vom Königreich Baekje geschenkt bekommen haben. Als praktisches Werkzeug nicht hergestellt, sondern als rituelles Heiligtum, ist dieses Schwert eine der wichtigsten Informationsquellen sowohl für die politische Beziehung zwischen Japan und der Koreanischen Halbinsel damals als auch für die fortgeschrittene Schmiedetechnik der Zeit.
Der Shōsōin und die Schwerter der Asuka- und Nara-Zeit
Von der Asuka-Zeit (593–710) bis zur Nara-Zeit (710–794) durchlief die Schwertkultur eine bedeutende Veränderung parallel zur Bildung des Ritsuryo-Staates (Kaiserliches Gesetzbuch). Der Kaiserhof, der Tang-chinesische Kultur aktiv aufnahm, stellte eifrig zeremonielle Schwerter mit herrlicher Metallverarbeitung her.
Schwerter, die mit Kaiser Shōmu verbunden sind, werden im Shōsōin-Depot in Verbindung mit dem Tōdaiji-Tempel in Nara bewahrt. Schwerter aus der Nara-Zeit wie das „Kingindenso Karatachi" (goldsilververziertes Tang-Langschwert) und das „Kingindenso Katana", die reich mit Gold, Silber, Muschel und Edelsteinen an Griff und Scheide verziert sind, sind weltweit als Kunstwerke hochgeschätzt, die den Gipfelpunkt der Hofkultur jener Zeit darstellen. Während diese Schwertklinge die Geradschwerterform bewahrt, hatten ihre Schmiedetechnik und Klingengeometrie ein Stadium erreicht, das als Brücke zum Japanischen Schwert späterer Perioden diente.
Das Warabite-tō und der Übergang zu gebogenen Klingen
Der Übergang vom jōkotō (alten Schwertern) zum Japanischen Schwert (gebogenem tachi) geschah nicht abrupt, sondern erstreckte sich über etwa zwei Jahrhunderte vom 8. bis zum 10. Jahrhundert. Ein Schwerttyp, der diesen Übergang überbrückte, war das „warabite-tō" (Farnwedelgriff-Schwert).
Das warabite-tō wurde von den Emishi, dem indigenen Volk Nordjapans (Mutsu und Dewa Provinzen), verwendet und ist durch einen eigentümlichen Griffknauf gekennzeichnet, der sich wie ein sich entfaltendes Farnwedelblatt nach innen einrollt. Exemplare wurden aus Stellen in der gesamten Tōhoku-Region ausgegraben, und Beispiele wurden auch in der Nähe von Sendai gefunden. Das warabite-tō ist akademisch bedeutsam als eine Übergangsform zwischen Gerad- und gebogenen Schwertern und ist faszinierende Evidenz der Möglichkeit, dass die Schwertkultur der Tōhoku-Region zur Geburt des Japanischen Schwertes beitrug. Die anfängliche Krümmung, die im warabite-tō sichtbar ist, ist ein revolutionäres Merkmal, das zur gebogenen Form des späteren Japanischen Schwertes führt.
Die moderne Bedeutung von Jōkotō
Jōkotō nimmt eine spezielle Kategorie ein, die auf dem modernen japanischen Schwertsammlermarkt nicht zirkuliert, und ihre Untersuchung steht an der Schnittstelle von Archäologie, Kulturgutwissenschaft und Schwertgeschichte. Das Wissen über jōkotō ist jedoch unerlässlich für ein tieferes Verständnis des historischen Wunders der Geburt des Japanischen Schwertes.
Warum kam das Japanische Schwert dazu, eine solch eigentümliche Form und Fertigungsmethode zu besitzen? — Die Antwort liegt zum Teil in der Ära des jōkotō verborgen, wo mehrere Faktoren zusammenflossen: die Einführung von Technologie vom Festland, die Versuch und Irrtum von Handwerkern an verschiedenen Orten, die Anforderungen des tatsächlichen Kampfes und die ästhetische Vision des Kaiserhofes. Durch das Studium der Schwertgeschichte können wir heute auch aufs Neue den Sinn für kulturelle Kontinuität und transformative Verwunderung erleben, den die Samurai bei der Begegnung mit den Schätzen des Shōsōin empfunden haben müssen.
Merkmale dieser Epoche
- Gerade-Klinge (chokutō) Form ohne Krümmung; fundamentale Technologie von kontinentaler chinesischer und koreanischer Schwertmacherei abgeleitet, entwickelt sich charakteristisch im japanischen Archipel
- Klassifiziert nach Grifftyp: ringgriffig (kantō-tachi), diamantgriffig (keitō-tachi), einfach-ringgriffige Schwerter, etc. Ringgriffige Schwerter dienten besonders als Statussymbole für Kofun-Periode-Häuptlinge
- Viele Exemplare in kofun-Grabbeigaben entdeckt; Gemisch aus funktionsfähigen und zeremoniösen Klingen; Härtung um 5.–6. Jahrhundert eingeführt, verbesserte Klingenleistung dramatisch
- Nara-Periode-Schwerter in Shōsōin zeigen aufwändige Dekoration mit Gold, Silber, Muschel und Edelsteinen, stellen den Höhepunkt der Hofkultur unter starkem Tang-Chinesischem Einfluss dar
- Warabite-tō (Adlerfarn-Heft-Schwert, Tohoku-Region) stellt eine Übergangsform zwischen geraden und gekrümmten Klingen dar – entscheidende Evidenz für die Ursprünge der japanischen Schwert-Krümmung; Exemplare in der Nähe von Sendai gefunden
- Individuelle Schwerter – einschließlich das Shichishito (Isonokami-Schrein) und das gold-eingelegte Schwert vom Inariyama Kofun – tragen Wert als wichtige historische Evidenz und werden aus sowohl archäologischen als auch historischen Perspektiven stark geschätzt