* Bild nur zu Illustrationszwecken.Tempel- und Schreinschwerte
社寺奉納刀と神仏習合
Schwerter, die Schreinen und Tempeln gewidmet sind, stellen die spirituelle Dimension der japanischen Schwertkultur dar. Von rituellen Votiv-Tachi zu Tempelschätzen und Schwertern asketischer Bergmönche umfasst diese Tradition über ein Jahrtausend der Verflechtung von Religion und Klinge.
Beschreibung
Schwert und Gottheit – die Heiligkeit des Schwertes im Shintō
Im japanischen Shintō gehört das Schwert zu den wichtigsten der Sanshu no Jingi (der drei Kaiserlichen Insignien). Das „Kusanagi no Tsurugi“ ist eine dieser Insignien und wird bis heute im Atsuta-jingū als Goshintai (Gottkörper) verehrt. Im geistigen Leben der Japaner wurde das Schwert deshalb schon immer als etwas gesehen, das weit über eine bloße Waffe hinausgeht, nämlich als heilige Erscheinung. Vom Altertum bis ins Mittelalter war die Darbringung von Schwertern an Schreine einer der angesehensten Votivakte. Vor oder nach Kriegen brachten Feldherren zum Dank an die Gottheit und zur Erbittung des Sieges berühmte Klingen dar, und diese Sitte verbreitete sich über die Schreine des ganzen Landes. In den großen Schreinen Japans, darunter Kasuga Taisha, Tsurugaoka Hachiman-gū, Sumiyoshi Taisha, Ise-jingū und Suwa Taisha, werden noch heute zahlreiche Votiv-Tachi in den Schatzhäusern aufbewahrt; darunter sind nicht wenige Meisterstücke, die als Nationalschätze oder Wichtige Kulturgüter ausgewiesen sind. Schwerter, die Schreinen dargebracht wurden, heißen auch „Shinken“ (göttliche Schwerter) oder „Goshintō“ (verehrte Gottschwerter). Man glaubte, dass sie durch das Aufstellen vor der Gottheit geistige Kraft (reiryoku) erlangen. Dieser religiöse Zusammenhang ist der wichtigste Grund dafür, dass der geistige und der künstlerische Wert der japanischen Schwerter untrennbar miteinander verbunden sind.
Form und Merkmale der Votiv-Tachi
Tachi, die als Votivgaben für Schreine angefertigt wurden, werden insgesamt als „Hōnō-tachi“ (Votiv-Tachi) bezeichnet. Bei ihnen konnte die reine Suche nach Schönheit freier verfolgt werden als bei Gebrauchsschwertern. Viele Votiv-Tachi haben aufwendige Koshirae (Montierung, Außenausstattung) mit goldenen Verzierungen, Makie (Lackarbeit mit Goldpulver), Raden (Perlmutter-Einlegearbeit) und anderen feinen Kunsthandwerkstechniken. Beim Tachi „Tsurumaru Kuninaga“ aus der Heian-Zeit gibt es die Auffassung, dass der Beiname (gō) bei der Weihung an einen Schrein entstand, weil das Kamakura-Bakufu die Sitte hatte, auf die an Schreine gestifteten Tachi das Tsurumaru-Wappen anzubringen. Tsurumaru Kuninaga ist ein Werk von Gojō Kuninaga aus Yamashiro und wird heute als Gyobutsu aufbewahrt, das vom Kaiserlichen Haushaltsamt verwaltet wird. Im Shōsō-in werden Schwerter aus der Nara-Zeit als Schätze bewahrt. Sie stehen jenseits des praktischen Gebrauchs für Widmung und Erhalt und sind für die Erforschung der Ursprünge des japanischen Schwertes unverzichtbar. Im Kasuga Taisha sind zahlreiche Votiv-Tachi aus der Zeit von der Heian- bis zur Edo-Zeit erhalten. Sie bilden eine wertvolle Quellengruppe, anhand derer sich der technische und stilistische Wandel der japanischen Schwerter nachvollziehen lässt.
Buddhistische Tempel und numinose Schwerter – das Schwert des Dharma-Schutzes
Auch im Buddhismus ist das Schwert ein wichtiges religiöses Symbol. Fudō Myōō wird dargestellt, wie er in der rechten Hand ein Hōken (Juwelschwert) hält und in der linken eine Kensaku (Fangschlinge). Das Schwert fungiert hier als Symbol der Dharma-Kraft, die das Böse durchtrennt und die Lebewesen rettet. Im Zusammenhang mit der Mönchskriegerkultur (sōhei) sind in den großen Tempeln und Schreinen von Nara und Kyoto auch Tachi aus der späten Heian- bis zur Kamakura-Zeit überliefert. Diese Schwerter wurden ohne Vermittlung durch Kriegerhäuser ausschließlich in religiösen Einrichtungen aufbewahrt. Deshalb ist ihre Herkunft gesichert, und die Gewissheit dieser Überlieferung aus Schreinen und Tempeln (shaji-denrai) gilt auch in der fachlichen Beurteilung als hoch geschätzter Mehrwert.
Shugendō und göttliche Schwerter – Schwerter des Bergglaubens
Das Shugendō ist eine religiöse Praxis, bei der durch harte Askese in den Bergen geistige Kraft (reiryoku) erlangt wird. Die Asketen (Yamabushi, Shugenja) führten Schwerter als wichtige Ritualgeräte mit sich. Besonders an den heiligen Stätten des Shugendō, etwa dem Kinpusen-ji in Yoshino (Präfektur Nara), dessen Hauptgottheit Zaō Gongen ist, und dem Haguro-san (Präfektur Yamagata), werden bis heute Schwerter aufbewahrt, die von Asketen früherer Generationen dargebracht wurden. Die Schwerter der Shugendō-Asketen tragen Gomabashi (Feuerritual-Stäbe) und eingravierte Bonji (Sanskrit-Silbenzeichen). Ihre religiöse Gestaltung spiegelt den Zweck bei bestimmten Riten wider. Sie sind daher nicht nur reines Können der Schwertschmiede, sondern kulturelle Erzeugnisse, die durch die Zusammenarbeit von Religionsträgern und Schwertschmieden entstanden sind.
Votivgaben an Schreine und Tempel in der Früh- und Neuzeit sowie ihre Weitergabe bis in die Gegenwart
In der Edo-Zeit setzten das Tokugawa-Shōgunat und die Daimyō die Votivgabe von Schwertern an Schreine als angesehene Handlung fort; viele berühmte Klingen wurden im ganzen Land an Schreine gestiftet. Der Erlass zur Trennung von Shintō und Buddhismus (Shinbutsu bunri-rei) von 1868 hatte großen Einfluss auf die Schwertsammlungen der Schreine und Tempel. Die Schatzhäuser der großen Schreine und Tempel haben jedoch die Wirren der Haibutsu kishaku (Buddhistenverfolgung) überstanden und bewahren bis heute wertvolle Sammlungen. Auch in der Gegenwart fertigen Schwertschmiede bei der Shikinen Sengū (periodische Neuerrichtung) des Ise-jingū Votiv-Tachi als göttliche Schätze (Goshinpō) an. Dies zeigt, dass japanische Schwerter nicht bloß Kunsthandwerk oder Waffen sind, sondern als göttliche Kulturzeichen in die Gesellschaft eingebettet sind. Schwerter aus Schreinen und Tempeln zu sammeln heißt nicht nur, ihre Schönheit zu genießen, sondern zugleich ihren geistigen, religiösen und kulturellen Kontext zu übernehmen und weiterzugeben. Darin liegt die tiefste Dimension des Sammelns japanischer Schwerter.
Merkmale dieser Epoche
- Prächtige Koshirae der Votiv-Tachi – die Außenausstattung mit Goldverzierungen, Makie, Raden und anderen feinen Kunsthandwerkstechniken steigerte den ästhetischen Wert des Schwertes als Opfergabe an die Gottheit bis an die Grenze des Möglichen
- Reine Schönheit ohne Gebrauch – bei Votivschwertern, die nicht für den Kampf gedacht sind, steht die künstlerische Vollendung von Klinge und Außenausstattung an erster Stelle
- Mehrwert der Überlieferung aus Schreinen und Tempeln – die ohne Vermittlung durch Kriegerhäuser in religiösen Einrichtungen bewahrte Herkunft gilt in der Schwertbeurteilung als besonders verlässliche Provenienz und wird hoch geschätzt
- Religiöse Gravuren wie Bonji, Kurikara und Gomabashi – Werke mit buddhistischen Motiven auf der Klinge sind eigenständige kulturelle Erzeugnisse aus der Zusammenarbeit von Schwertschmied und Religionsträger