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* Bild nur zu Illustrationszwecken.Der Begriff „Gutachter" ist aus Antiquitätensendungen im Fernsehen vertraut, doch die Begutachtung japanischer Schwerter erfordert eine grundlegend andere Fachkompetenz als die Bewertung anderer Antiquitäten. Anders als bei Keramik oder Rollbildern stützt sich die Begutachtung eines Nihontō auf drei Säulen: „metallkundliches Verständnis", „das Auswendiglernen der formalen Merkmale der Schulen" und „praktische Erfahrung mit mehreren Tausend Originalstücken".
Die zentrale Institution für die Begutachtung japanischer Schwerter in Japan ist die gemeinnützige Stiftung NBTHK (Society for the Preservation of Japanese Art Swords). Die Begutachtungssitzungen der NBTHK finden mehrmals im Jahr statt; ein Prüfergremium fällt nach dem Konsensprinzip Urteile in vier Stufen: Hozon Tōken, Tokubetsu Hozon Tōken, Jūyō Tōken und Tokubetsu Jūyō Tōken. Die Arten der ausgestellten kanteisho und ihre Verlässlichkeit werden ausführlich unter Die Arten und Zuverlässigkeit von Schwert-kanteisho erläutert.
Bei den Begutachtungssitzungen der NBTHK wird ein Schwert nach folgendem Verfahren bewertet.
1. Annahme und Grundprüfung Das eingebrachte Schwert wird zunächst mit seinem Registrierungsschein abgeglichen (nagasa, sori, Vorhandensein einer mei). Es wird geprüft, ob die Angaben im Registrierungsschein mit den gemessenen Werten des Originals übereinstimmen; Fälschungen oder Vertauschungen werden so in der ersten Phase ausgeschlossen.
2. Zerlegungsprüfung (Entnahme aus der shirasaya) Das Schwert wird aus der shirasaya (Aufbewahrungsscheide aus unbehandeltem Holz) gezogen; der mekugi wird entfernt und die Klinge vom tsuka gelöst. Zustand des Rosts am nakago, Anzahl der mekugi-Löcher, Vorhandensein einer mei und Art der yasurime werden geprüft. Allein damit lässt sich in vielen Fällen die Entstehungszeit und Schule bereits eingrenzen.
3. Lichtquellenprüfung – Beobachtung von hamon und jigane Der wichtigste Schritt ist die Prüfung unter einer Lichtquelle. Mit einer speziellen Beleuchtung (gerichtetes, glühlampenartiges Licht, keine Leuchtstoffröhre) wird die Klinge beschienen; durch Kippen der Klinge werden hamon, jigane, utsuri und die Aktivitäten der Klinge beobachtet.
4. Beratung – Meinungsaustausch der Prüfer Die Begutachtung der NBTHK erfolgt nach dem Konsensprinzip mehrerer Prüfer. Honma Kunzan (Honma Junji), bekannt als Autorität der modernen Nihontō-Begutachtung, war der zweite Vorsitzende der NBTHK (der erste Vorsitzende war Hosokawa Moritatsu); sein Urteilsvermögen und seine Forschung legten die Grundlage für die noch heute praktizierte Konsensbegutachtung. Der Grundsatz „Ausschluss von Alleingängen, Integration des Wissens mehrerer Fachleute" wird eingehalten. Nachdem jeder Prüfer das Stück einzeln begutachtet hat, werden die Meinungen zusammengeführt und die Kandidaten für Schule, Entstehungszeit und tōkō eingegrenzt. Einzelheiten zum internen Ablauf der Prüfsitzungen sind unter Interne Arbeit des NBTHK-Prüfungskomitees zusammengefasst.
Bei unterschiedlichen Meinungen wird eine Präzisionsprüfung mit Lupe und Stereomikroskop hinzugezogen. Alte Lupen und moderne Hochleistungsmikroskope werden kombiniert, um Details der kitae-hada und die Feinstruktur des hamon zu prüfen.
5. Endurteil und Ausstellung des kanteisho Als Ergebnis der Beratung wird entschieden, ob das Stück eine der Stufen – Hozon, Tokubetsu Hozon, Jūyō, Tokubetsu Jūyō – erfüllt oder als „nicht qualifiziert" gilt. Bei Qualifizierung wird ein kanteisho (Prüfungsnachweis) ausgestellt, dem ein oshigata (Abdruck von hamon und nakago) beigefügt ist.
Erfahrene Gutachter beurteilen ein Schwert hauptsächlich aus drei Blickwinkeln.
① „Sugata" – grobe Einordnung nach Entstehungszeit und Schule Aus dem Gesamtumriss des Schwertes (sugata) lassen sich die grobe Entstehungszeit (jōkotō, kotō, shintō, Shinshintō) und das Herstellungsgebiet (Bizen, Sōshū, Yamato, Yamashiro, Mino) erschließen. Position und Tiefe des sori, das Verhältnis von nagasa zu sakihaba sowie die Form des kissaki weisen je nach Epoche charakteristische Züge auf. Erfahrene Gutachter sagen: „Beim Betrachten der sugata fällt einem in zwei Sekunden die Epoche ein."
② Jigane – Beurteilung von Herkunft und technischem Niveau Art und Qualität der „Haut" (hada) des jigane sind der ehrlichste Indikator für Herkunft und technisches Niveau des tōkō. Der fließende itame der Bizen-den, die zur masame neigende Haut der Yamato-den, die grobe, nie-reiche Haut der Sōshū-den, das glatte ji der Mino-Tradition – all das lässt sich kaum in Worten ausdrücken, doch durch das Betrachten von Hunderten von Originalen wird es „intuitiv verständlich".
③ Hamon – das entscheidende Kriterium der Begutachtung Das letztlich entscheidende Kriterium der Begutachtung ist der hamon. Jede Schule und jeder tōkō besitzt einen „charakteristischen hamon": der grobe nie-ashi von Masamune, der große chōji von Kanemitsu, der hira-zukuri-hamon von Yoshimitsu – all das lässt sich ablesen, als stünde es geschrieben. Da jedoch auch Fälscher über dieses Wissen verfügen, ist eine „Beurteilung allein anhand des hamon" gefährlich; eine Gesamtbeurteilung unter Einbeziehung von jigane, sugata und nakago ist unerlässlich.
Für die Aufnahme als Prüfer der NBTHK gibt es weder eine klar definierte Eignungsprüfung noch ein Lizenzierungssystem. Bei der NBTHK werden Prüfer im Empfehlungsverfahren auf der Grundlage von „Leistungen, Erfahrung und Ansehen in der Fachgemeinschaft" ausgewählt. Wie die Ausbildungs- und Lehrwege derjenigen aussehen, die tatsächlich eine Karriere als Gutachter anstreben, wird unter Ausbildungswege für Begutachtungsexperten erläutert.
Ein typischer Karriereverlauf für Gutachter sieht folgendermaßen aus.
Es gibt auch private Organisationen, die eine „Schwertgutachter-Qualifikation" ausstellen, doch im Branchenansehen dominiert die Begutachtung durch NBTHK und die Hon'ami-Linie bei weitem; mit einer privaten Qualifikation allein ist es schwer, sich als unabhängiger Gutachter zu etablieren.
Eine Sonderstellung in der Geschichte der Nihontō-Begutachtung nimmt die „Hon'ami-Familie" ein. In der Muromachi-Zeit als Schleifer und Gutachter für das Haus des Ashikaga-Shōgun berufen, etablierte sich die Hon'ami-Familie in der Edo-Zeit als vom Shōgun-Haus offiziell anerkannte „Gruppe von Schwertgutachtern". Eine Gesamtdarstellung der 400-jährigen Begutachtungsarbeit der Hon'ami-Familie findet sich unter 400-jährige Geschichte des Begutachtungswesens der Hon'ami-Familie.
Das von der Hon'ami-Familie ausgestellte kanteisho, das origami, genießt noch heute auf dem Antiquitätenmarkt hohes Ansehen; der Ausdruck „Hon'ami origami tsuki" (mit Hon'ami-origami versehen) bedeutet so viel wie „zweifelsfrei echt".
Auch heute sind Gutachter aus dem Kreis der Hon'ami-Nachfolge tätig; besonders bei der Begutachtung von kotō (Schwerter aus der Zeit vor der Muromachi-Periode) fungieren sie als ebenso anerkannte Beurteilungsinstanz wie die NBTHK.
In jüngster Zeit finden Technologien wie 3D-Scan, Röntgenfluoreszenzanalyse und Metallgefügeanalyse als Hilfsmittel der Schwertbegutachtung Beachtung.
Gutachter sind sich jedoch einig: „Technologie ist nur ein Hilfsmittel." „Die Aktivitäten des hamon, die erst durch den genauen Lichteinfall sichtbar werden", „das Gleichgewicht des Schwerpunkts beim Halten in der Hand" – das sind sensorische Elemente, die sich in digitalen Daten nicht reproduzieren lassen, und genau darin liegt das Ergebnis jahrzehntelangen Trainings. Auch bei allen technologischen Fortschritten bleibt das letzte Urteil das Auge des Gutachters, der über langjährige Erfahrung verfügt.
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