* Bild nur zu Illustrationszwecken.Yamaga Sokō
山鹿素行
Theoretiker des Bushidō und Meister der Kriegswissenschaft
Beschreibung
Die Geburt des Kriegsgelehrten
Im Jahr Genna 8 (1622) wurde Yamaga Sokō in Aizu in der Provinz Mutsu geboren. Er ist als Gelehrter und Denker in die Geschichte des Denkens der Edo-Zeit eingegangen: Er hat den Gedanken des japanischen Kriegerwegs (Bushidō, shidō) systematisch theoretisch begründet und zugleich als Vollender der japanischen Kriegswissenschaft (Hyōgaku) unvergängliche Spuren hinterlassen. Schon in jungen Jahren galt er als Wunderkind; mit neun Jahren wurde er Schüler von Hayashi Razan (einem Konfuzianer, der als Vordenker Tokugawa Ieyasus wirkte) und studierte den Konfuzianismus. Danach vertiefte er sein Studium breit und wuchs zu einem umfassenden Gelehrten heran, der sich in vielen Bereichen, darunter Kriegswissenschaft, Konfuzianismus und Shintō, tiefgründige Kenntnisse erwarb.
Die Begründung der Yamaga-Ryū-Hyōgaku
Die von Sokō begründete „Yamaga-Ryū-Hyōgaku“ war mehr als eine bloße Lehre von Taktik und Strategie. Sie war ein umfassendes Gedankensystem, das theoretisch erklärte, wie ein Krieger sein soll. Sokō studierte die chinesischen Militärschriften (Sonshi, Goshi, Bukyō Shichisho usw.) gründlich und deutete sie dann im Hinblick auf die japanischen Verhältnisse neu, wodurch er eine eigenständige Kriegstheorie aufbaute. Das Kennzeichen der Yamaga-Ryū-Hyōgaku liegt darin, dass militärische Rationalität und moralische Normen als untrennbar behandelt werden. Diese Auffassung hat das spätere Gedankengut des Bushidō stark beeinflusst.
Die theoretische Fundierung des Bushidō
Das Kapitel „Shidō“, das in Sokōs Hauptwerk „Yamaga Gorui“ enthalten ist, ist eine bahnbrechende Schrift, die philosophisch neu fragt, was ein Krieger (shi) eigentlich ist. Sokō legte dar, dass der Krieger eine eigene gesellschaftliche Rolle besitzt, die sich von jener der Bauern, Handwerker und Kaufleute unterscheidet. Das Wesen des Kriegers liege nicht allein im Kämpfen, sondern darin, als Verkörperer der sittlichen Ordnung der Gesellschaft Vorbild zu sein. Sokōs „Shidō“ wird bisweilen als einer der Vorläufer der modernen Bushidō-Theorie eingeordnet, für die Nitobe Inazōs auf Englisch verfasstes Werk „Bushidō“ steht.
Die Verbindung mit Akō
Von Jōō 1 (1652) bis Manji 3 (1660) stand Sokō im Dienst der Familie Asano, die das Lehen Akō in der Provinz Harima innehatte. Akō ist vor allem durch den späteren Vorfall der Akō-Rōnin bekannt. Die Tat der Akō-Rōnin unter Ōishi Kuranosuke, die Rache für den Tod ihres Herrn als Verwirklichung der Rechtschaffenheit (gi), kann als konkreter Ausdruck des von Sokō theoretisierten „Shidō“ der Krieger gedeutet werden. In diesem Sinne war Sokōs Bushidō-Theorie keine bloße Gedankenspielerei am Schreibtisch, sondern eine praktische Lehre, die das tatsächliche Verhalten von Kriegern bestimmte.
Verbannung und ungebrochener Geist
Im Jahr Kanbun 5 (1665) kritisierte Sokō in seinem Werk „Seikyō Yōroku“ die Shushigaku und vertrat den Standpunkt des Kogaku (Konfuzianismus, der unmittelbar auf die Originaltexte zurückgreift). Dies machte ihn für das Shogunat gefährlich, und im folgenden Jahr, Kanbun 6 (1666), wurde er in die Provinz Harima nach Akō verbannt. Auch in der Verbannung setzte Sokō seine Studien fort und verfasste in Akō unter anderem das „Buke Jiki“. Als ihm im Jahr Enpō 3 (1675) die Verbannung erlassen wurde und er nach Edo zurückkehren durfte, war sein Ruf noch weiter gewachsen. Dass Sokō in der Verbannung, einer Lebenslage voller Widrigkeiten, seine Leidenschaft für die Wissenschaft nicht verlor, beweist, dass seine Lehre vom Bushidō nicht bloß eine Idee war, sondern gelebte Haltung selbst.