* Bild nur zu Illustrationszwecken.Yagyū Jūbei
柳生十兵衛
Der einäugige Schwertmeister — Erbe der Yagyū Shinkage-ryū und Japans geheimnisvollster Waffenmeister
Beschreibung
Der von Geheimnis umwobene Schwertmeister
Im Jahre Keichō 12 (1607) wurde Yagyū Mitsuyoshi, genannt Jūbei, als erstgeborener Sohn von Yagyū Munenori in Edo geboren und zählt zu den legendärsten Schwertmeistern der Edo-Zeit. Das Meiste seines Lebens ist von Geheimnis umhüllt, insbesondere die etwa zwölf Jahre andauernde "Verschwindensperiode" ab seinem zwanzigsten Lebensjahr, welche bis heute zahllosen Autoren und Historikern Stoff für Erzählungen bietet. Während sein Vater Munenori als offizieller Schwertmeister des Shogunats Macht ausübte, wird berichtet, dass Jūbei entweder frei durch die Provinzen wanderte oder an geheimen Missionen für das Shogunat beteiligt war – eine von Rätseln umgebene Gestalt.
Die Überlieferung der Yagyū Shinkage-ryū
Die Yagyū Shinkage-ryū, die Jūbei sein ganzes Leben lang übernahm und vertiefte, war eine Schule, die sein Großvater Yagyū Sekishūsai Shōgen eigenwillig aus der von Kamiizumi Isenokami Nobutsuna gegründeten Shinkage-ryū entwickelt hatte. Im Kern stand die Philosophie des 'katsujinken' (das lebenspendende Schwert) – nicht bloß die Technik, den Feind zu besiegen, sondern geistige Schulung und Menschenbildung durch das Schwert. Jūbei vertiefte diese Philosophie weiter und verfolgte den Zustand des 'kenzen-ichinyo' (Schwert und Zen als Einheit). Seine technische Meisterschaft soll selbst seinen Vater Munenori übertroffen haben, und Shogun Tokugawa Iemitsu soll von Jūbeis Schwertkunst zutiefst erfasst gewesen sein.
Das Geheimnis des einen Auges
Das auffälligste Merkmal Jūbeis war sein fehlendes rechtes Auge, das ihm den Beinamen "Einäugiger" eintrug. Allerdings gibt es verschiedene Berichte über dessen Entstehung, und es existieren keine eindeutigen historischen Dokumente. Verschiedene Legenden wurden überliefert: dass er sein Augenlicht verlor, als sein Vater Munenori ihn beim Training mit einem Holzschwert ins Auge traf, dass er während einer Falknerei durch einen Ast verletzt wurde, oder dass er eine angeborene Schwachsichtigkeit hatte. Wie der Beiname des Date Masamune "Einäugiger Drache" wurde dieses eine Auge zu einem Symbol, das Jūbeis Mystik und Stärke verkörperte und bildete den Kern seines Bildes in späteren Literatur-, Kunst- und Filmwerken.
Wanderungen durch die Provinzen und die "Tsuki no Shō"
Die "Tsuki no Shō" (Mondnotizen), die Jūbei zugeschrieben wird, ist ein wichtiges Schwertlehrbuch, das die Techniken und Philosophie der Yagyū Shinkage-ryū aufzeichnet. Während das "Heihōkaden-sho" (Überlieferung der Schwertkunst) seines Vaters Munenori ein politisches und philosophisches Werk für Machtinhaber war, soll die "Tsuki no Shō" praktischeren und technischeren Inhalt haben. Die Aufzeichnungen von Jūbeis Wanderungen durch die Provinzen sind spärlich, doch wird berichtet, dass er zahlreiche Kämpfe und Austausche mit Schwertmeistern im ganzen Land absolvierte und dabei die Techniken der Yagyū Shinkage-ryū verfeinerte. Diese Wanderjahre wurden später in Romanen und Filmen mit geheimen Missionen als "Geheimagent" verknüpft und bildeten den wesentlichen Kern der Jūbei-Legende.
Die Schwerter des Mitsuyoshi (Yagyū-Schwerter)
Klare Beispiele überlieferter Schwerter, die Jūbei verwendete, sind selten, doch hat die Familie Yagyū über Generationen hinweg Schwerter genannt "Yagyū-Schwerter" geerbt – entweder unsigniert oder mit Verbindungen zur Familie Yagyū. In der Yagyū Shinkage-ryū war die Technik des 'mukatatori' (das Entwaffnen des gegnerischen Schwertes ohne das eigene zu benutzen) ein wichtiges Können, und die paradoxe Philosophie, dass "das Nichthaben eines Schwertes auch Schwertkunst ist," war ein Merkmal der Schule. Das Schwert, das Jūbei handhabte, soll ein geschmeidiges und scharfes tachi-Schwert gewesen sein, geeignet für die schnellen Bewegungen und scharfen Klingenarbeit der Shinkage-ryū.
Ein Leben von dreiundvierzig Jahren und eine unvergängliche Legende
Im Jahre Keian 3 (1650) soll Jūbei während einer Falknerei plötzlich gestorben sein. Er war vierundvierzig Jahre alt. Viele hielten seinen Tod für unnatürlich, was zu verschiedenen Spekulationen führte, einschließlich Theorien von Giftmord oder Ermordung durch das Shogunat. Dieses rätselhafte Ende wurde auch Teil der Jūbei-Legende und diente von der Edo-Zeit bis zur Gegenwart als Stoff für zahllose Romane, Filme und Spiele. Yagyū Jūbei transzendierte seinen Status als historische Figur und wurde zum Archetyp, der das Bild des japanischen Schwertmeisters selbst verkörpert. Viele Autoren wie Yoshikawa Eiji und Yamada Fūtarō verfassten Werke mit Jūbei als Protagonist, und seine Legende – ein Gemisch aus Fakt und Fiktion – strahlt noch heute in modernen Zeiten.
Bekannte Schwerter
- Yagyū-mono (unsignierte Yagyū-Clans-Klingen) — die Tradition von Schwertern, die durch die Yagyū-Familie weitergegeben wurden; praktische uchigatana, geeignet für die schnellen Körperbewegungen der Shinkage-ryū und die Philosophie des lebenspendenden Schwertes verkörpernd
- Mutō-dori Geist — Jūbeis Meisterschaft des »mutō-dori« (Entwaffnen ohne Schwert) repräsentiert den paradoxen Gipfel der Shinkage-ryū: die ultimative Waffe ist, keine zu benötigen